Pflanzen richtig gießen — der komplette Guide
Pflanzen richtig gießen — Der komplette Ratgeber
Wie oft, wie viel, welches Wasser? Alles rund ums Gießen von Zimmerpflanzen
Die Frage „Wie oft soll ich gießen?" lässt sich nicht pauschal beantworten — denn es hängt von Dutzenden Faktoren ab. Aber mit ein paar Grundregeln wird Gießen zur Routine statt zum Ratespiel.
Die goldene Regel
Nicht nach Zeitplan gießen — sondern nach Bedarf. „Jeden Montag gießen" funktioniert nicht, weil der Wasserbedarf von Temperatur, Licht, Topfgröße, Substrat und Pflanzenart abhängt. Stattdessen: Prüfen Sie, ob Ihre Pflanze tatsächlich Wasser braucht.
Der Fingertest — einfach und verlässlich
- Finger 2–3 cm in die Erde stecken
- Feucht? Nicht gießen. Abwarten.
- Trocken? Gießen.
- Bei Sukkulenten/Kakteen: Die Erde sollte komplett durchgetrocknet sein, bevor wieder gegossen wird.
- Bei tropischen Pflanzen (Monstera, Calathea): Die oberen 2 cm sollten trocken sein, weiter unten darf es noch leicht feucht sein.
Alternative zum Fingertest: Einen Holzstab in die Erde stecken und nach ein paar Minuten herausziehen. Feucht = dunkles Holz. Trocken = helles Holz. Oder: Pflanze im Topf hochheben — leicht = trocken, schwer = noch feucht.
Gießmethoden
Von oben gießen (Standard)
Die Erde langsam und gleichmäßig wässern, bis Wasser aus dem Abzugsloch läuft. Nach 30 Minuten das restliche Wasser im Untersetzer weggießen. Vorteil: Einfach. Nachteil: Die Oberfläche bleibt länger feucht (Risiko für Trauermücken).
Von unten gießen (Tauchen)
Den Topf in eine Schüssel mit Wasser stellen und ca. 20–30 Minuten aufsaugen lassen. Die Erde zieht das Wasser von unten hoch. Danach abtropfen lassen. Vorteil: Gleichmäßige Feuchtigkeit, Oberfläche bleibt trockener. Ideal für: Usambaraveilchen, Sukkulenten, Pflanzen mit empfindlichen Blättern.
Besprühen
Kein Ersatz fürs Gießen! Aber tropische Pflanzen (Calathea, Farne) lieben höhere Luftfeuchtigkeit. Blätter regelmäßig besprühen — besonders im Winter, wenn die Heizungsluft die Luft austrocknet.
Welches Wasser verwenden?
- Zimmerwarmes Leitungswasser: Für die meisten Pflanzen völlig ausreichend.
- Abgestandenes Wasser: Über Nacht stehen lassen — Chlor verflüchtigt sich, Kalk setzt sich am Boden ab. Hilfreich bei hartem Wasser.
- Regenwasser: Ideal — kalkfrei und pH-neutral. Perfekt für kalkempfindliche Pflanzen (Hortensien, Azaleen, Rhododendren).
- Kein kaltes Wasser: Kaltes Wasser kann tropische Pflanzen schocken. Immer zimmerwarm gießen.
Übergossene Pflanzen erkennen und retten
Zu viel Wasser ist die häufigste Todesursache bei Zimmerpflanzen. Anzeichen:
- Gelbe, weiche Blätter (nicht verwechseln mit trockenen, braunen Blättern = zu wenig Wasser)
- Matschige, braune Wurzeln (gesunde Wurzeln sind weiß oder hellbraun und fest)
- Schimmel auf der Erdoberfläche
- Muffiger Geruch aus dem Topf
- Trauermücken (kleine schwarze Fliegen — sie lieben feuchte Erde)
Erste Hilfe bei Übergießen: Pflanze aus dem Topf nehmen, matschige Wurzeln abschneiden, auf Zeitungspapier trocknen lassen (einige Stunden), dann in frische, trockene Erde umtopfen. Erst nach ein paar Tagen wieder vorsichtig gießen.
Gießen nach Jahreszeit
- Frühling/Sommer (März–September): Wachstumsphase — mehr Wasser und Licht. Häufiger gießen und regelmäßig düngen.
- Herbst/Winter (Oktober–Februar): Ruhephase — deutlich weniger gießen. Die meisten Pflanzen brauchen im Winter nur die Hälfte an Wasser. Nicht düngen.
- Heizperiode: Trockene Heizungsluft lässt die Erde schneller austrocknen — aber gleichzeitig ruht die Pflanze. Die richtige Balance finden: Fingertest statt Routine.
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Häufig gestellte Fragen
Im Sommer etwa alle 7–10 Tage, im Winter alle 2–3 Wochen. Aber nicht nach Kalender — immer den Fingertest machen. Monstera mag leicht feuchte Erde, aber niemals nass. Lieber einmal gründlich gießen als häufig nur ein bisschen.
Für die meisten Zimmerpflanzen ist Leitungswasser völlig in Ordnung. Einige kalkempfindliche Pflanzen (Hortensien, Azaleen, Orchideen) bevorzugen weiches Wasser — hier hilft abgestandenes oder gefiltertes Wasser. Regenwasser ist ideal für alle Pflanzen.
Bis 1 Woche: Vor der Abreise gründlich gießen und an einen kühleren, halbschattigen Platz stellen. Bis 2 Wochen: Bewässerungskugeln oder den PET-Flaschen-Trick verwenden (umgedrehte Flasche mit kleinem Loch im Deckel in die Erde stecken). Ab 3 Wochen: Nachbarn bitten oder automatische Bewässerung (Tropfsystem) installieren. Eine Badewanne mit feuchten Handtüchern als Unterlage funktioniert auch gut.